Spirituelle Perspektive
Wer ein Kind liebt, will es instinktiv beschützen — vor Schmerz, vor Enttäuschung, vor Scheitern. Das Prinzip der Polarität zeigt jedoch, dass dieselbe Liebe auch das Gegenteil verlangt: das Kind loszulassen, es Fehler machen zu lassen, es selbst Erfahrungen sammeln zu lassen, auch schmerzhafte. Diese beiden Kräfte scheinen sich zu widersprechen, gehören aber untrennbar zusammen: Reines Beschützen ohne Loslassen erstickt die Entwicklung eines Kindes zur eigenständigen Person. Reines Loslassen ohne Beschützen setzt es unnötigen, vermeidbaren Gefahren aus. Wahre elterliche Liebe bewegt sich fortlaufend zwischen beiden Polen, je nach Alter, Situation und tatsächlichem Risiko — mal mehr schützend, mal mehr loslassend, in einer Balance, die sich ständig neu justieren muss, statt sich für einen der beiden Pole endgültig zu entscheiden.