Spirituelle Perspektive
Sobald der Geist ein Urteil über eine Situation, einen Menschen oder sich selbst gefällt hat, beginnt er, selektiv nach Bestätigung dieses Urteils zu suchen — Informationen, die dem Urteil widersprechen, werden leichter übersehen oder umgedeutet. Das Prinzip des Mentalismus zeigt, warum dies eine erhebliche Einschränkung der Wahrnehmung ist: Ein urteilender Geist sieht letztlich vor allem sich selbst, seine eigene vorgefasste Bewertung, gespiegelt in der äußeren Welt — nicht die Welt, wie sie tatsächlich ist. Ein Geist, der bewusst offen und nicht wertend bleibt, zumindest für einen ersten Moment der Begegnung, bleibt zugänglicher für Information, die dem ersten Eindruck widerspricht, für Nuancen, die ein vorschnelles Urteil übersehen hätte. Diese Offenheit ist kein naives Fehlen von Unterscheidungsvermögen, sondern eine bewusste, disziplinierte Verzögerung des Urteils, um mehr von der tatsächlichen Wirklichkeit wahrnehmen zu können, bevor eine Bewertung getroffen wird.