Spirituelle Perspektive
Ein einmaliges, noch so schönes Ereignis bleibt eine Erinnerung. Eine Tradition hingegen entsteht erst durch Wiederholung — durch die Verlässlichkeit, mit der eine Handlung Jahr für Jahr, zu einem bestimmten Anlass, wiederkehrt. Das Prinzip des Rhythmus zeigt, warum diese Wiederholung nicht bloße Gewohnheit ist, sondern eine eigene, kraftvolle Qualität besitzt: Jede Wiederholung fügt eine weitere Schicht Bedeutung hinzu, verbindet die Gegenwart mit vergangenen Malen, in denen dieselbe Handlung schon einmal geschah. Eine Weihnachtstradition, die seit Kindertagen gepflegt wird, trägt in sich die Erinnerung an alle vorherigen Male, in denen sie begangen wurde — sie ist nicht nur eine einzelne Handlung, sondern ein ganzer, gewachsener Zeitraum, der in diesem einen Moment mitschwingt. Traditionen brauchen deshalb die Wiederholung, nicht als starre Pflicht, sondern als lebendigen, sich vertiefenden Rhythmus.